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Gesamtansicht des Klosters Marienfeld um 1800 Quelle: Stadtarchiv Harsewinkel
Unter der Herrschaft des Klosters
In einer Heberolle des nahe gelegenen Klosters Freckenhorst aus der Zeit um 1090 wird zum ersten Male der Ortsname Harsewinkel erwähnt. Archäologische Funde weisen aber darauf hin, dass die Besiedlung des Gebietes von Harsewinkel weiterzurückreicht bis in die Bronzezeit. Etwas früher noch als Harsewinkel wird der Ortsname Greffen erstmals in der Geschichte greifbar, durch eine Schenkung des Münsteraner Bischofs Robert, die auf die Jahre 1042 bis 1063 datiert werden kann.
Das wichtigste Ereignis des Mittelalters für den Raum Harsewinkel war die Gründung des Zisterziensterklosters Marienfeld durch Widukind von Rheda, Bernhard II. zur Lippe, Bischof Hermann II. von Münster und andere westfälische Adelige. Noch heute ist die 1222 geweihte spätromanische Klosterkirche ein weithin sichtbares Dokument der Baukunst der Mönche. Dem Kloster gelang es recht schnell, zum Grund und Boden, mit dem es von seinen Gründern ausgestattet worden war, weitere Höfe in seinen Besitz zu nehmen. So waren am Ende des Spätmittelalters fast alle Bauernhöfe im Gebiet der heutigen Stadt Harsewinkel der Marienfelder Abtei eigenhörig. Diese bestimmte auch das geistliche Leben: Nicht nur der Pfarrdechant in Harsewinkel, sondern auch der Pfarrer der 1250 gegründete Pfarrei Greffen wurde vom Kloster ernannt. Seit dem 16. Jahrhundert bis zur Auflösung des Klosters waren es zumeist Mönche, die in Harsewinkel und Greffen das Amt des Seelsorgers ausübten. Auch die kleine ackerbürgerliche und handwerkliche Siedlung Harsewinkel blieb vom Kloster Marienfeld abhängig. Zwar besaßen die Harsewinkeler seit 1592 das Recht, zweimal im Jahr einen Markt abzuhalten. Aber ihr kleines Wigbold (=Weichbild) entwickelte nicht einmal in Ansätzen städtische Rechte. Erst 1770, nach Jahrzehnte langen Auseinandersetzungen, wurden die Einwohner von Harsewinkel aus der Eigenhörigkeit des Klosters entlassen, mussten dafür aber eine jährliche Ablösesumme an das Kloster entrichten.
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Marktplatz um 1900 Foto: J.H. Jäger
Schwierige 100 Jahre
Das Jahr 1803 brachte zwei tiefe Einschnitte mit sich: Das Fürstbistum Münster, zu dessen Gebiet Harsewinkel bisher gehört hatte, wurde in das Königreich Preußen eingegliedert. Neuer Landesherr der katholischen Harsewinkeler wurde der evangelische preußische König. In diesem Jahr wurde außerdem nach über 600 Jahren mönischem Leben das Kloster Marienfeld durch die neuen Landesherren säkularisiert und in eine Staatsdomäne umgewandelt.
Harsewinkel – von 1806 bis 1814 zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Berg gehörig – war in preußischer Zeit eine eigene Bürgermeisterei, zu der Harsewinkel, Marienfeld und seit 1820 auch Greffen gehörten. Von 1841 an waren diese drei Ortschaften selbständige Gemeinden im Amtsverband Harsewinkel. Erster von der preußischen Obrigkeit eingesetzter Bürgermeister war Eduard Wilhelm Wendland aus Westpreußen. In Harsewinkel ließ er in der Ortsmitte ein stattliches Bürgerhaus im klassizistischen Formen errichten - das erste steinerne Gebäude nach der alten St. Lucia Kirche. Bis heute prägt das Wendland-Haus das Gesicht des Marktplatzes.
Im 19. Jahrhundert lag Harsewinkel für lange Zeit abseits der großen Verkehrsverbindungen. Hinzu kam, dass der traditionelle Handel mit Garn und die Verarbeitung von Flachs und Hanf in der ersten Jahrhunderthälfte zusammenbrachen. Eine lange wirtschaftliche Stagnation, verbunden mit einem Rückgang der Bevölkerung durch Wegzug in die benachbarten Industriegebiete und durch Auswanderung, war die Folge. Besserung sollte erst eintreten, nachdem Harsewinkel seit 1883 mit Warendorf und Gütersloh durch gepflasterte Straßen verbunden worden war. 1900 folgte schließlich durch die Teutoburger Wald Eisenbahn auch ein Anschluß an das Eisenbahnnetz. Dadurch verbesserten sich für die Landwirte die Möglichkeiten, ihre Produkte nach außerhalb zu verkaufen und zugleich den dringend benötigten Kunstdünger und das Futtergetreide heranzuschaffen. Nach und nach bekamen auch die Handwerker und Kaufleute diesen Aufschwung in der Landwirtschaft zu spüren.
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Firma Claas um 1930 Claas-Werksfoto - aus: Der Knoter 1/1950
Industrieller Beginn
Von einer industriellen Entwicklung konnte im 19. Jahrhundert aber, trotz einiger Fleisch verarbeitender Firmen und einiger Hartsteinwerke, noch keine Rede sein. Diese begann erst, nachdem sich 1919 der Landmaschinenhersteller Gebrüder Claas aus Clarholz-Heerde kommend in Harsewinkel niedergelassen hatte. Die anfänglich noch handwerklich arbeitende Firma entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem industriellen Betrieb mit mehreren 100 Beschäftigten und wachsendem Flächenbedarf. Der Strohbinder, der so konstruiert war, dass er für Erntemaschinen verschiedener Hersteller verwendet werden konnte, eigene Erntemaschinen und seit der Mitte der 1930er-Jahre die Produktion eigener Mähdrescher waren die Grundlagen für den raschen Aufschwung der Firma.
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Die Jahre seit 1945
Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich die in den 1920-er Jahren begonnene Entwicklung dynamisch fort. Die Einwohnerzahl von Harsewinkel stieg – bedingt zunächst durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen – stark an und übertraf den Vorkriegsstand im Jahr 1950 um mehr als ein Drittel.
Zum Landmaschinenhersteller Gebr. Claas, der von der rasch voranschreitenden Technisierung der Landwirtschaft profitierte, kamen in allen drei Ortsteilen weitere Industriebetriebe hinzu, so dass sich Harsewinkel mehr und mehr zu einem attraktiven Standort entwickelte, der die Vorteile einer guten Infrastruktur mit den Vorzügen der ländlichen Umgebung verbindet. Diese Vorteile zogen weitere Neubürger, seit den 1960er-Jahren aus ausländische Arbeiter und Angestellte, an, sodass die Einwohnerzahl sich in den Jahren zwischen 1950 und 1972 noch einmal verdoppelte. Der Bau neuer Wohnsiedlungen, die Entstehung eines modernen Stadtzentrums an Stelle des alten Dorfkerns, der Bau neuer Schulen und schon Anfang der 1960er-Jahre die Eröffnung eines Freibades und die Anlage einer Parkanlage im Moddenbachtal sind äußere Zeichen dieser Entwicklung.
Nach einer Phase nur langsam steigender Einwohnerzahlen stiegen diese seit dem Ende der 1980er-Jahre, bedingt durch den Zuzug von Aussiedlern aus Russland, Kasachstan und anderen neuen Staaten auf dem Gebiet der UdSSR sowie von ausländischen Flüchtlingen erneut, deutlich an. Heute ist Harsewinkel, das seit 1973 mit den drei Stadtteilen Harsewinkel, Greffen und Marienfeld eine Stadt bildet, Lebensmittelpunkt für fast 24.000 Menschen.
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